Alexander Würfer - AbbVie Deutschland

Business Management

AbbVie Deutschland Geschäftsführer im Interview

Mit einem großen Forschungsbudget allein wird noch keine Firma innovativ, sagt Alexander Würfel, Geschäftsführer des BioPharma-Unternehmens AbbVie Deutschland. Und setzt auf ein spezielles Rezept: Wissen teilen und Mitarbeiter gut führen.

Herr Würfel, sie haben einmal gesagt, AbbVie Deutschland verstehe sich nicht nur als „Pillenlieferant“. Was ist Ihr Unternehmen seinem Verständnis nach denn dann?

Mehr als ein Pillenlieferant zu sein bedeutet bei uns, dass wir an integrierten Lösungen arbeiten, die über das reine Medikament hinausgehen. Mit einer Reihe von Initiativen und Programmen unterstützt AbbVie Deutschland Patienten beim Leben mit ihrer Erkrankung, beispielsweise mit dem kostenlosen Serviceprogramm „AbbVie Care“, das den Patienten Unterstützung rund um die Therapie bietet und Informationsmaterialien, einen Erinnerungsservice für die Medikamenteneinnahme und Arzttermine sowie eine kostenfreie Servicehotline umfasst. Darüber hinaus setzt AbbVie Deutschland sich dafür ein, das Verständnis für die Erkrankungen in der Öffentlichkeit zu steigern, zum Beispiel durch die Unterstützung von Initiativen wie „Sportler gegen Stigma“ und dem „Rheumapreis“.

AbbVie nennt sich „forschendes Biopharma-Unternehmen“. Woran forschen Sie gerade?

Unsere Schwerpunkte liegen auf der Erforschung und Entwicklung von Therapien für Bereiche mit hohem medizinischen Bedarf wie die Onkologie, Nierenerkrankungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Auf diesen Gebieten arbeiten Pharmaunternehmen bereits seit vielen Jahren. Gibt es da noch Platz für Neuerungen?

Sehr viel sogar. Einen wichtigen aktuellen Forschungsbereich stellt unsere neue, interferonfreie Therapie für erwachsene Patienten mit chronischer Hepatitis C dar. Rund 25 Jahre nach der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus können nun nahezu alle Patienten geheilt werden – innerhalb kurzer Zeit und mit geringen Nebenwirkungen. 

Was ist das beste Rezept, wenn ein Unternehmen neue Produkte oder Leistungen entwickeln will? Sollte es vor allem mehr Geld in die Forschung und Entwicklung stecken?

Das allein reicht – zumindest aus unserer Sicht – nicht aus. Innovationen sind für uns einerseits neue Therapien, andererseits aber auch der Fokus auf die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Innovationskraft braucht entsprechende Rahmenbedingungen und Inspiration, deswegen legen wir viel Wert darauf, ein kreatives und motiviertes Arbeiten in einem angenehmen Arbeitsumfeld zu ermöglichen. Diese Bedingungen fördern den konstruktiven Austausch der Mitarbeiter untereinander, zum Beispiel in unserem Mitarbeiter-Patienten-Gremium, in dem chronisch kranke und gesunde Kollegen regelmäßig Vorschläge erarbeiten, wie Betriebsabläufe den Bedürfnissen erkrankter Mitarbeiter besser angepasst werden können. 

Warum ist das für Ihr Unternehmen wichtig?

Im Wettbewerb um die besten Köpfe werden Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Unterstützung der Beschäftigten in besonderen Lebenssituationen zu immer wichtigeren Faktoren. Eine gute Personalstrategie schafft dabei den Spagat, junge Talente zu rekrutieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich auch die ältere Generation im Unternehmen wohlfühlt und konstant weiterentwickeln kann. 

Quotation mark

Innovationskraft braucht Inspiration und Rahmenbedingungen.

Bietet Deutschland Unternehmen im Bereich Pharma und Bio-Technologie ein gutes Umfeld für Forschung und Entwicklung?

Ja, die Bedingungen stimmen: Deutschland hat aufgrund transparenter Genehmigungsprozesse für klinische Studien und der exakten Durchführung und Datenerfassung eine sehr gute Reputation. Forschende Unternehmen wie AbbVie Deutschland profitieren zudem von dem gut qualifizierten Personal in Deutschland. Jedoch ist damit noch nicht alles getan: Wir müssen in Deutschland trotzdem darauf achten, dass wir nicht von anderen Nationen überholt werden und als Standort attraktiv bleiben. Im Vergleich zu fast allen anderen EU-Ländern fehlt in Deutschland die steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Viele Unternehmen beklagen einen fehlenden Know-how-Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Ja, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollten noch stärker mit der Industrie zusammenarbeiten. Und auch wir – die Unternehmen der Pharmabranche – müssen lernen, besser zu kooperieren und Informationen zu teilen. Wir bemühen uns um diesen Austausch, indem wir neben zahlreichen Entwicklungspartnerschaften auch an regionalen, überregionalen und paneuropäischen Forschungsnetzwerken teilnehmen. In zahlreichen Kooperationsprojekten suchen wir gemeinsam mit Universitäten, anderen Unternehmen und Kompetenzzentren nach neuen Tools, Methoden und Technologieplattformen für die Spitzenforschung und die Entwicklung von Arzneimitteln und Therapien. Von großer Bedeutung ist für uns die Mitgliedschaft im BioRN Network e.V. Hier engagieren sich über 100 starke Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Bereich zellbasierte und molekulare Medizin.

Alexander Würfel

Geschäftsführer des BioPharma-Unternehmens AbbVie Deutschland. Das Pharmaunternehmen AbbVie entstand 2013 aus dem US-Unternehmen Abbott Laboratories und produziert Medikamente gegen rheumatische Erkrankungen, Hepatitis C, HIV/Aids, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte, RSV-Infektionen bei Frühgeborenen, Morbus Parkinson und mehr. In Deutschland arbeiten rund 2400 Mitarbeiter an den Standorten Wiesbaden, Ludwigshafen und im Hauptstadtbüro in Berlin. 1,6 Milliarden Tabletten und Kapseln pro Jahr stammen aus deutscher Produktion.

Alle aktuellen Termine der Mittelstandstage finden Sie hier

 Zurück zur Übersicht